Ein Auszug aus dem Referat von Dr. Gerald Gatterer bei der 2. Veranstaltung „Ein neues Bild des Alter(n)s“ am 10. September 2008 im Liebhartstaler Bockkeller zum Thema „glücklich und gesund altern“.
Ich möchte Ihnen heute hier nicht nur über die „Geistig fit“-Bücher erzählen, sondern auch über ein paar andere, die ich auch geschrieben habe, auch mit meiner Co-Autorin Frau Folkes, die sich ebenfalls hier im Raum befindet: Wir haben das Buch „Generation 50+“ verfasst, zu der ich mittlerweile auch gehöre.
Ich möchte darüberhinaus Ihnen auch einige Übungen zeigen, die als CD-Rom den Büchern beiliegen und die uns allen dienen sollen, unsere geistige Fitness zu trainieren.
Am Büchertisch werden sie außerdem noch spezielle Bücher über Demenzerkrankung sowie über die professionelle Pflege solcher Patienten finden.
Wenn wir über das Altern reden, sprechen wir über verschiedene Aspekte: Das kalendarische Alter, von dem wir meistens reden hat genauer betrachtet relativ wenig Relevanz. Der biologische Aspekt des Alterns, nämlich die Gesundheit hat da schon mehr Relevanz. Heutzutage, wenn man sich einigermaßen fit hält, ist diese Gesundheit im Vergleich sehr hoch! Mit Ausnahme der letzten 3-4 Jahre jedenfalls meistens.
Das Altern ist nicht „grausam“, wenn es so geschildert wird, so wird meist der allerletze Abschnitt gemeint, wenige Jahre, wo die Menschen vermehrt krank sind, mehr an Hilfe bedürfen und oft auch an Demenz erkranken. Dort „kosten“ wir auch am meisten. Das ist der biologische Aspekt.
Dazwischen gibt es noch den psychologischen Aspekt, sehr hinterhältig, denn der beeinflusst, was wir tun und was nicht. Bewegung ist gesund, das weiß jeder – mein Nach-Referent wird darüber auch elaboriert sprechen – jedoch wir alle kennen den „inneren Schweinehund“, der uns nicht allzuselten davon abhält. Zum Beispiel: alle ÖsterreicherInnen gehen Rad fahren und schwimmen – laut Statistik. Die frage ist nur, wie oft und was mach ich da in dem Schwimmbecken. Die meisten plantschen nur herum und die meisten fahren mit dem Fahrrad maximal bis zum Heurigen. (Lacht)
Der psychologische Aspekt ist auch ganz wichtig für das subjektive Altern. Wie fühle ich mich – ob eine Falte wirklich ein Risiko für meine Lebenserwartung darstellt oder ob ich deshalb einen Suizidversuch begehen, hängt davon ab, welche Bedeutung ich Falten beimesse, nicht, wieviele Falten ich habe. Wie bewerte ich die neue Falte, die ich im Spiegel entdecke? Als Lachfalte? Oder: Mein Gott… Dasselbe gilt für weiße Haare, Glatze beim Mann – alles psychologische Aspekte.
Der soziale Aspekt ist auch sehr wichtig: Altern in der Gesellschaft. Soziale Kontakte, greife ich sie auf oder nicht? Wie sieht mich die Gesellschaft? Das hängt auch von mir ab, nicht nur von der Gesellschaft! Wie bringe ich mich ein, oder denke ich, ich möchte dort nicht anstreifen – oder bin ich jemand, der aktiv im Leben steht?
Alle Studien zeigen, dass aktivere, im Leben stehende ältere Menschen gesünder, sozial integrierter und glücklich altern. Wobei das freilich nicht erst mit 80 beginnt…
Wenn man sich denkt, bis 79 bin ich frustriert und mit 80 denk ich mir, fang ich jetzt an, wirds ein bisschen spät werden – es geht auch noch, aber mein Tipp ist freilich: eine gute Lebenseinstellung mit 30 hilft Ihnen besser über den 40er, 50er und so weiter…
Der letze Aspekt, der ökologische Aspekt des Alterns, da geht es um die Umwelt, finanzielle Ressourcen, da geht es aber auch darum, was kann ich zuhause tun, damit ich möglichst gesund altere. Es geht darum, mich nach und nach mit Gebrauchsgegenständen zu umgeben, die ich auch im höheren Alter gut nützen kann. Beispiel Badewanne oder Sportwagen. Man kommt in beides auch als älterer Mensch gut hinein, aber schwierig wieder heraus. Interessanterweise verzeichnen wir gerade eine Blüte der altersgerechten Autos: alle Multi-Vans mit hochliegenden Sitzen, guter Rundumblick, leichtes ein- und aussteigen – alle entwickelt als altersgerechte Autos – so kann man sie aber nicht verkaufen, also wurden sie auf Lebensphilosophien gemünzt.
Ich möchte Ihnen auch kurz erzählen, was sich so über die Jahre verändert – was verändert sich, wogegen sollte man etwas tun. Was sich besonders verändert sind sogenannte „Speed-Leistungen“. Das Denken, die Flexibilität, Konzentrationsfähigkeit wird langsamer. Aber: Wenn ich hier trainiere, hilft mir das sehr sehr viel. Prävention bedeutet Training dieser geschwindigkeits- und leistungsorientierten Fähigkeiten.
Kreuzworträtselauflösen bringt mir nur am Anfang etwas, wenn ich noch nicht alle Wörter kenne, die da so vorkommen. Dann ist es kein Training mehr. Sudoku zum Beispiel bringt sehr viel, selbst wenn ich es nicht zusammenbringe!
Denn auf der Ebene der Nervenzellen ist es egal, ob die Lösung richtig oder falsch ist, wichtig ist, dass das Hirn aktiviert wird!
Es gibt dann auch sogenannte „Power-Fähigkeiten“, das ist das, was wir schon gut können. Einfaches Beispiel: Um hierherzufinden haben die, die nicht hier wohnen ihre Speed-Fähigkeiten einsetzen müssen, die, die hier wohnen konnten auf ihre Power-Fähigkeiten zurückgreifen. Diese automatischen Power-Leistungen halten sehr lange.
Das sind unsere Ressourcen, auf denen können wir aufbauen, auch wenn wir sehr alt sind, auch wenn wir eine Demenzerkrankung bekommen. Demenzerkrankte Menschen leben auch mit ihren Automatismen. Man darf ihnen nur nicht versuchen, etwas Neues beizubringen. Das ist das große Problem. Das geht nicht. Da entstehen beim Versuchen nur Frustration oder schlimmer Aggressionen. Für das Nützen dieser Ressourcen gibt es aber spezielle Übungen, wie ich sie in meinen Büchern anführe.
Wenn Sie aber frühzeitig – ich würde empfehlen ab 30 – etwas für ihre eigene Prävention tun wollen, auch dafür gibt es eine schöne Reihe von Übungen – optische Übungen wie Mikado oder dynamische Größenzuordnungen von sich bewegenden Bällen.
Dr. Gerald Gatterer
Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut und Autor von u.a. „Geistig fit ins Alter“ Leiter der Psychologisch-Psychotherapeutischen Ambulanz und der Abteilung für Psychosoziale Rehabilitation im Geriatriezentrum am Wienerwald. Autor/Herausgeber von u.a. „Geistig fit ins Alter 1&2 – Neue Gedächtnisübungen für ältere Menschen“, „Multiprofessionelle Altenbetreuung – ein praxisbezogenes Handbuch“, „Leben mit Demenz – ein praxisbezogener Ratgeber für Pflege und Betreuung“, „Generation 50 plus – Ratgeber für Menschen in den besten Jahren“.