Herausragende Leistungen beim WHS

Knapp 1.000 Kilometer auf dem Drahtessel in Deutschland und den Niederlanden

Mag. Dr. Andreas Olbrich, Psychologe beim WHS hat sich einer Herausforderung der besonderen Art gestellt. Zum Zwecke der Kontemplation verordnete er sich eine Reise mit dem Fahrrad. Er hat uns seinen Reisebericht zur Verfügung gestellt und gerne lassen wir Sie an dieser außerordentlichen Leistung teilhaben.

Die Radtour war sehr schön und ich möchte die Erfahrung nicht missen!

Die Radtour war sehr schön und ich möchte die Erfahrung nicht missen: Es waren gesamt ca. 920 km von Mittwoch (10. 9. Start Frankfurt bis Donnerstag, 18. 9. Ende: Boppard am Rhein (ein paar Kilometer unterhalb von Koblenz). Ich musste leider die Radtour dort abbrechen, da mein Schwiegervater in der Nacht von Donnerstag auf Freitag an einem Herzinfarkt verstorben ist und ich so schnell wie möglich wieder nach Wien zurück musste.

Die Daten der Tour im Einzelnen (zum Nachfahren in Google Earth):

1. Tag: Frankfurt/Main (Start: 6:30 Uhr) – Mainz – Wiesbaden

Dort gab es das beste Frühstück der ganzen Tour. Es wurde mit viel Liebe von einer einsamen Griechin zubereitet. Leider war es auch ein bisserl teuer: 10 Euro. Aber über Geld sprechen wir jetzt nicht!

Bingen (bekannt von Hildegard von Bingen! Dort gibt es einen riesigen Kräutergarten. Am Anfang des Gartens stehen Rollstühle zur freien Benutzung. Und man muss sagen, diese werden auch benutzt, da sehr viele Busse mit Pensionisten nach Bingen fahren)

Rhein bei BlingenRhein bei Blingen

Goar (Kurz vor Goar ist die berühmte Erhebung Loreley). Leider macht sie optisch nichts her, wie man leicht vom Bild erkennen kann) - Koblenz -Andernach (Beginn der Hotelsuche. Leider war alles belegt, da in der Umgebung sehr viel gebaut wird) – Bad Breisig (endlich Hotel gefunden)!

LoreleyLoreley

Es hatte sogar einen Indoor-Swimmingpool. Ich war aber zu müde zum Schwimmen nach 107 Meilen (!) am Rad) Tag: Bad Breisig – Bonn – Köln – Duisburg: Es ist wunderschön, wenn sich langsam der Nebel über dem Rhein lichtet und die Burgen auf den Hügelspitzen zum Vorschein kommen.

In Bonn atmet man Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts. Es ist eine sehr schöne Stadt, die ich gerne wieder besuchen möchte. Köln ist wahrscheinlich die Stadt des 21. Jahrhunderts. Zwar überragt der Kölner Dom alles (man kann ihn nicht einmal gut fotografieren), aber es entstehen am Rheinufer coole Glasbauten. Die Coolness zeigt sich bereits an den Getränkepreisen. Ein großes Glas Spezi (Mischung aus Cola und Fanta) kostet 4.50 Euro. In Duisburg war es leichter als am Vortag ein Hotel zu finden.

3. Tag: Duisburg (gleich in der Früh 1. Patschn!)

Duisburg hat sehr viele Kanaldeckel und scharfe Gehsteigkanten. Diese Stadt ist leider nicht sehr radfahrerfreundlich. Dankenswerterweise hat mir ein Postler den Weg zum Fahrradhändler gezeigt. Bei einem guten Kaffee wurde mir kostenlos der Reifen gewechselt und er erzählte mir ein bisserl über seine Wienaufenthalte. Für die Deutschen bin ich ein wirklicher Exote. Sie hören gerne meinen Dialekt. Nur leider muss ich manches zwei- oder dreimal sagen, bis sie mich verstehen. Für alle zukünftigen Deutschlandreisenden: Ein Krapfen ist ein Berliner! Kurz nach Duisburg hatte ich den 1. und 2. Wolkenbruch (seeeeeeeeeehr nasss geworden, aber es war erfrischend!).

12 km vor Wesel (2. Patschn! Konnte mit Anti-Platt Spray nicht behoben werden. Die gesamte weiße Masse ist mir wieder entgegengespritzt. Gottseidank hat es so stark geregnet, dass ich gleich wieder sauber war. Beim Versuch, den Reifen zumindest ein bisserl aufzupumpen, habe ich mir das Ventil ruiniert. d.h. zu fuß nach Wesel (12 Kilometer Fußmarsch mit kaputtem Fahrrad). 2 km vor dem Ziel hat mich ein Autofahrer mitgenommen. In Wesel gab es einen Zwischenstopp von 15 Uhr bis 17.30 Uhr (solange hat der Fahrradhändler gebraucht für zwei Reifen & Schläuche zu montieren).Ich habe mir in der Zwischenzeit eine Stirnlampe und zwei kurze Hosen gekauft. Danach Weiterfahrt nach Nijmegen. Ich wollte noch kein Hotel suchen & dachte mir: So jetzt fahrst du durch bis Rotterdam! Während der Radfahrt bin ich draufgekommen, dass ich zwei Fähren benötigen würde, die nicht in der Nacht fahren. Daher kam der Entschluss: “Ich fahr gleich nach Antwerpen!”

Ab Brakel: Immer südlich nach Breda (2mal verfahren ca. 20 km mehr als geplant gefahren). Dann von Breda nach Antwerpen. Die Radwege in den Niederlande und in Belgien sind sehr gut ausgebaut und führen neben den Bundesstraßen und Autobahnen. So konnte ich um 5 Uhr einen tollen Kaffee an einer Autobahnraststätte einnehmen. Zermürbend ist nur die lange Gerade (ca 36 km vor Antwerpen beginnt sie) aber irgendwie geht diese auch vorbei!

Ankunft in Antwerpen: ca. 11 Uhr Vormittag. Da war ich dann schon ein bisserl seehr müde und meine Socken sehr dreckig. Kein Wunder nach zwei Wolkenbrüchen und sehr viel Gatsch. Aufenthalt in Antwerpen von Samstag bis Montag 17 Uhr: Besuch eines europäischen Bildungskongresses.

Rathaus AntwerpenRathaus Antwerpen

Montag: Weiterfahrt von Antwerpen den Albert-Kanal entlang nach Herentals. Es ist schön, wieder „auf der Piste“ zu sein und die Gegend von Antwerpen anzusehen. Der Albertkanal ist eine wichtige Transportroute für industrielle Güter (Kohle, Öl, Schrott, Container) per Schiff. Alle 2-5 Minuten kommt ein Schiff vorbei. Die meisten Schiffe, die in meine Richtung unterwegs waren, habe ich überholt. Als Radler mit einer gewissen Kondition (ich hatte hier schon 570 km in den Beinen) ist es kein Problem ein Schiff auf dem Albertkanal zu überholen.

AlbertkanalAlbertkanal

Dienstag: Herentals (Start bei 8 Grad Celsius) bis Maastricht am Albertkanal (Ein Paradies für Rennradler & Fischer).

Herentals

Olfaktorisch gibt diese Strecke nichts her, da hier ein Industriekomplex nach dem anderen steht. Manchmal hätte ich mich sogar anspeiben können! Von Maastricht bis Aachen wird es ein bisserl hügelig (das hätte mir schon eine Warnung sein sollen!) Aachen ist eine wunderschöne Stadt. Habe viele Fotos gemacht. Abgestiegen bin ich in einem Zwei-Stern-Hotel, das schon ein bisserl bessere Tage erlebt hat. Ich konnte mein Rad in einem Vortragssaal parken. Zu Abend gegessen habe ich bei einem Chinesen um die Ecke. Nach einem frugalen Mahl bin ich ins Bett gefallen. Obwohl die Strecke nur 120 Kilometer lang war, war ich unendlich müde.

Mittwoch: Aachen (Beim Aufpumpen in der früh habe ich das nächste Ventil zerstört (d.h. 3. Schlauch zerstört). Ein netter türkischer Fahrradhändler hat mein Problem behoben. Bis Blankenheim auf der B258 (diese Strecke geht an die Substanz. Ich musste öfters schieben aus mehreren Gründen: (1) der Wind, (2) die Steigung und (3) die nette Gegend. Am Ende des Tages war ich vollkommen fix und foxi. Das Hotel hatte leider einen kleinen Nachteil: Das Warmwasser hat sich erst nach 20 Minuten Duschen den Weg in meine Brause gebahnt.

Donnerstag: Blankenheim – Boppard. Nach zwei Tagen auf einer hügeligen B258 wird einem schon alles wurscht und man nimmt jede Steigung in kauf. Der Wind ist aber besonders hartnäckig gewesen. Bei 10 – 15% Gefälle habe ich bei der Abfahrt (!) eine Geschwindigkeit von 11 Meilen / h zusammengebracht. (leider hat mein Navigator nur Meilen und Fuß darstellen können). Auf der Fahrt habe ich viele Rehe und Hasen gesehen und auch den Nürburgring. Ich habe gar nicht gewusst, dass er so hoch oben liegt). In Boppard habe ich mir dann ein schönes Hotel und ein gutesAbendessen und zwei Krügel Bier gegönnt.

Schöne Eindrücke

Freitag früh bin ich dann in den Zug gestiegen und war um 21.50 wieder in Wien.

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